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Eine
Ausnahme bildeten in den letzten zehn Jahren die
Investitionen in unsere Schulen. Dies ist weitgehend
erfolgreich abgeschlossen, und das ist gut so.
Nun ging es jetzt darum, noch einmal weitere zwei Millionen
Euro einzusparen.
Hierbei - und ich denke ich kann hier auch für die anderen
Fraktionen sprechen - hierbei haben wir zwei Ziele verfolgt.
1. Wir wollten vorhandene Strukturen nicht zerstören.
Wir wollten Einrichtungen im kulturellen, im sozialen und im
Sportbereich nicht dichtmachen, sondern trotz Kürzungen
ihre Existenz erhalten. Dies ist uns, denke ich, gelungen
und so kann man in hoffentlich bald besseren Zeiten die
Etats wieder hochfahren und muss nicht neue Institutionen
schaffen.
2. Das zweite ist das Bemühen, die Lasten möglichst
gleichmäßig und gerecht zu verteilen. Jeder sieht sich
selbst natürlich über Gebühr belastet, aber im Großen
und Ganzen kann man festhalten, dass dieses Ziel doch
weitgehend erreicht wurde.
Sprechen wir über die Gerechtigkeit bei Sparbemühungen,
sollten wir aber auch auf die übergeordneten Ebenen
blicken.
Meiner Beobachtung nach wird auch im Kreistag,
Westfalenparlament, im Land- oder Bundestag viel über das
Sparen gesprochen. Doch wie intensiv wird dies umgesetzt?
Meiner Beobachtung nach wesentlich geringer als hier bei uns
auf der untersten Ebene. Dort gibt es mehr Rhetorik als
schmerzhaftes Handeln.
Um die Harmonie heute nicht zu stören, verzichte ich auf
Bespiele für Dinge, die man sich dort noch leistet, die bei
uns undenkbar wären.
Wir muten unserer Bevölkerung in Lemgo und natürlich in
fast allen Städten Deutschlands sehr viel zu.
Wenn Sportanlagen, Kultureinrichten weniger zur Verfügung
stehen und nachts das Licht in den Wohnstraßen
ausgeschaltet wird, spürt jeder einen Verlust an
Lebensqualität - armes Deutschland, armes Lemgo!
Also, nach all den Sparbemühungen geben wir immer noch 16
Millionen Euro mehr aus als wir einnehmen. Dies nicht in den
nächsten Jahren, dies nur in diesem einen Jahr!
Nun sagen uns die Bürger: wie könnt Ihr nur? Ihr gebt mehr
aus als ihr einnehmt. Das ist doch unverantwortlich!
Richtig, doch überlegen wir einmal, ob wir überhaupt die Möglichkeit
hätten, den Haushalt auszugleichen.
Hierzu sehen wir uns zunächst einmal die beiden großen
Kostenblöcke an.
Von den 91 Millionen geben wir inkl. Pensionslasten 23
Millionen für Personalkosten aus. Das öffentliche
Dienstrecht gibt uns allein die Möglichkeit, frei werdende
Stellen nicht neu zu besetzen. Selbst bei Umbesetzungen hat
es eine Verwaltung schwer. Auf meine Frage, warum der
unterbeschäftigte Mitarbeiter X unter Beibehaltung seines
Gehaltes nicht zeitweise auf Position Y arbeiten könnte,
erhielt ich die Antwort, diese Beschäftigung sei nicht „amtsangemessen".
Weiterhin kosten die Sozialleistungen die Stadt inzwischen
39 Millionen Euro - Tendenz weiter steigend.
Damit sind schon 2/3 des Haushaltes verausgabt worden, ohne
hieran etwas tun zu können. Weitere große Blöcke kommen
hinzu, bei denen wir auf Grund gesetzlicher Vorschriften
oder Verträge keinen Einfluss haben.
So, was wäre also zu tun, um dennoch den ausgeglichenen
Haushalt zu erreichen?
Wenn wir diese Frage beantworten, beziehen wir die städtische
Tochter Stadtwerke natürlich mit ein.
Nehmen wir also einmal kurz an, der Rat würde dieses
beschließen:
Museen, Jugendzentrum, Haus am Wall, Stadtbücherei,
Musikschule schließen.
Stadtbus einstellen. Bäder, EauLe und Ortsteilbäder schließen
Selbst wenn man dies alles tun würde, wären wir nicht in
der Lage den Haushalt auszugleichen. Wir können dieses Ziel
nicht erreichen: Es ist hoffnungslos.
Was ist also zu tun?
In Lemgo tun wir das, was man von uns erwarten darf, wir
sparen. Wir sparen an jeder Ecke und muten den Bürgern viel
zu.
Doch wenn wir in Deutschland nicht zu einer anderen
gerechteren Lastenverteilung kommen, dann werden wir in den
Städten untragbare Einschnitte an Lebensqualität haben und
trotzdem Pleite gehen.
Jetzt könnte man ja sagen, na ja, wenn die Konjunktur
wieder anspringt, dann gibt es wieder mehr Gewerbesteuern
und alles wird wieder gut.
Hierauf zu hoffen wäre fatal:
1. Bis nach einer solchen Konjunkturkrise die Ertragssteuern
wieder mehr werden, wird es einige Jahre dauern und
2. Gleichzeitig steigen die Pensionslasten, die
Sozialausgaben und die Zinslasten.
Jeder, der nicht allein hier in Lemgo Verantwortung trägt,
sondern im Kreistag oder auch Landes- oder
Bundesparteigremien arbeitet, ist meiner Ansicht nach
aufgerufen, aktiv zu werden:
1. Wir brauchen eine Steuereinnahme, die verlässlicher ist,
also nicht so extrem schwankend wie die Gewerbesteuer. Die
Gemeindefinanzkommission entschließt sich hoffentlich, die
Gewerbesteuer durch ein eigenes Hebesatzrecht auf die
Einkommen- und Kapitalertragssteuern zu ersetzen.
2. Auf Kreis-, Landes- und Bundesebene muss wirklich gespart
werden - auch bei den Personalausgaben.
3. Die ausufernden Sozialausgaben müssen reduziert werden.
42 Prozent der Bevölkerung leben von Transferleistungen. Es
muss sich wieder lohnen zu arbeiten, selbst etwas zu
verdienen, statt von dem Geld anderer.
Zurück zur Situation in Lemgo:
In dieser Situation haben wir in der Politik zunächst das
einzig Richtige für unsere Stadt getan. Wir haben den
Nothaushalt verhindert. Damit haben wir die kommunale
Handlungsfähigkeit erhalten. Und wir haben dafür gesorgt,
dass wir weiter Vereinen Zuschüsse geben können und
vieles, wenn auch nur notdürftig am Leben erhalten konnten.
Ja wir konnten sogar zwei neue größere Investitionen von
Dritten in unserer Stadt anschieben, nämlich die
Neugestaltung des Kirchplatzes von St. Nicolai Umbau der
TV-Turnhalle.
Lassen Sie mich hierzu etwas als Mitglied auch als Mitglied
beider Vereine sagen: seitens der Stadt haben wir mit der
heutigen Verabschiedung des Haushaltes für die Realisierung
dieses Projektes getan. Wie ich von den Schützen und aus
dem TV höre, hakt es in den Verhandlungen. Ich appelliere
an beide Vereine sich zusammenzuraufen und eine Einigung zu
finden. Aus Sicht der Stadt hoffe ich darauf hier bald einen
Baukran zu sehen.
Ich möchte mich bei den anderen Fraktionen bedanken. Den
sachlichen Ton der interfraktionellen Gespräche haben wir -
so denke ich - alle als sehr angenehm empfunden. Schwieriger
waren für viele, für alle? Fraktionen sicher die internen
Beratungen.
Schließlich haben wir heute alle Kröten zu schlucken. Für
die CDU Ratsfraktion war dies vorrangig die Steuererhöhung.
Also hier die Erhöhung der Grundsteuer und dies auch noch
zugleich verbunden mit der Umstellung der Berechnung der
Straßenreinigung.
Mit der Verabschiedung des Haushaltes 2010 sind unsere
Finanzprobleme keineswegs gelöst. Wir müssen denke ich
alles daran setzen, gemeinsam mit den anderen Kommunen auf
die Gemeindefinanzkommission Einfluss zu nehmen.
Allein kommen wir nicht aus der Not. Tröstlich und
erfreulich ist aber, die Politik steht sich in Zeiten der größten
Not nicht feindlich gegenüber, sondern übt den
Schulterschluss.
Wir von Seiten der CDU wollen alles dazu beitragen, dass
dies auch weiter so bleibt und danken der Verwaltung für
die konstruktive Zusammenarbeit, aber eben auch und nicht
zuletzt den Mitgliedern der anderen Fraktionen.
Dr. Harald Pohlmann
Vorsitzender |